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Warum sollte man Visual FoxPro verwenden?
Auf dieser umfangreichen Seite nennen wir Ihnen viele gute und überzeugende Gründe!

von Rainer Becker

Die Vorteile von FoxPro

Sie kennen den Spruch vielleicht: 3x umgezogen ist wie 1x abgebrannt! Wer sich von FoxPro/DOS nach FoxPro/Windows durchgekämpft hatte, war mit diesem ersten Umzug zwar schwer beschäftigt, aber da das Grundkonzept schon vorher recht modern war, ließ sich dieser Umstieg meist dennoch recht gut bewältigen. Und was bekam ein FoxPro-Entwickler mit seiner Entwicklungsumgebung - ungefähr folgendes auch heute immer noch sehr attraktiv klingendes Angebot:

- Keine Laufzeitgebühren für erstellte Anwendungen Keine Lizenzkosten für die integrierte mitlieferbare Datenbank-Engine
- Keine Lizenzkosten für den integrierten mitlieferbaren Berichtsgenerator
- Integrierte Werkzeuge für Masken-, Menü- und Berichtserstellung
- Integrierte Werkzeuge für Hilfeanbindung, Debugging und Installation
- Assistenten aller Arten für die Automatisierung verschiedener Entwicklungsaufgaben (Builders und Wizards)
- Leistungsfähigere Programmiersprache als die derzeit mal wieder beliebten Script-Sprachen
- Leistungsfähige relationale Datenbank mit alternativer Client/Server-Backend-Datenbank (meist MSDE/SQL-Server)
- Hybrider Datenbankzugriff sowohl mit satzorientiertem als auch SQL-basiertem Zugriff
- Kalkulierbarer Erstellungsaufwand von datenorientierten Anwendungen für alle Einsatzbereiche
- Performante Anwendungen auf der schnellsten verfügbaren PC-Datenbank

Der Umzug von FoxPro/DOS nach FoxPro/Windows war im Vergleich zu dem Umzug von FoxPro/Windows nach Visual FoxPro im Nachhinein betrachtet dann doch eher einfach, da dieser zweite Umzug sich aufgrund völlig neuer Konzepte wie Objektorientierung und Vererbung sowie Methoden, Ereignissen und Eigenschaften wesentlich herausfordernder gestaltete. So einige Entwickler haben sich bis heute wider Erwarten und leider erfolgreich vor diesem Umstieg gedrückt - fragt sich nur, wie lange das noch gutgehen soll. Insbesondere, da dadurch auch die KnowHow-Basis und Entscheidungsfähigkeit fehlt, möglicherweise anderswohin zu wechseln.

Die im ersten Abschnitt genannten Vorteile von FoxPro wurden in Visual FoxPro beibehalten, dazu kamen noch folgende wesentlichen Erweiterungen:

- Vollständig objektorientierte Entwicklungsumgebung mit einer Vielzahl von leistungsfähigen Klassen, Vererbung, Container-Konzept und entsprechenden neuen oder erweiterten Werkzeugen
- Hybrider Programmieransatz sowohl prozedural als auch objektorientiert - ähnlich der alternativen Datenzugriffsmöglichkeit auf satzorientierter oder mengenorientierter (SQL) Basis
- Unterstützung aller modernen Technologien wie ActiveX, OLE-Automation - und mittlerweile natürlich WebServices, XML und COM
- Schnelle Webseitengestaltung durch Datenbankintegration und Stringfunktionen - z.B. mit Active FoxPro Pages oder WebConnect


Genial war nicht nur die Beibehaltung des bisherigen hybriden Ansatzes beim Datenzugriff (satz- und mengenorientiert) sondern das nunmehr ebenfalls hybride Programmiermodell (prozedural und OOP). Beliebige Wechsel zwischen SKIP und SQL waren nunmehr genauso möglich wie der Aufruf einer Prozedur aus einer Objekt-Methode. Gnadenlos praktisch ist dabei die direkte Editierbarkeit der in Tabellen gehaltenen Klassen- und Maskendefinitionen (sog. Metadaten), was von jeher das Umbiegen der Vererbungshierarchie erlaubte zwecks nachträglicher Korrektur oder Einfügung von Zwischenebenen. Als ebenso praxisnah erwies sich das hierarchische Container-Konzept statt der ansonsten von Microsoft verfolgten SimpleFrame-Oberfläche, die keine zwei gleichnamigen Objekte im gleichen Formular erlaubt und damit die eigentlich interessante Wiederverwendung von aggregrierten Objekten zur Qual macht.
Wessen Spezialität es natürlich vorher schon war, Code zu kopieren und anzupassen, statt eine erweiterte Standardfunktion zu bauen um wenig gesparte Entwicklungszeit gegen viel Wartungsaufwand zu tauschen, konnte dass in der neuen Welt natürlich weiterhin tun und damit jedweden theoretischen Nutzen von vorneherein bzw. weiterhin über den Haufen schießen, wie oft genug geschehen. Umgekehrt führt der verzweifelte Versuch, wirklich alles in Klassen abzubilden und für jede denkbare Ebene eine eigene Schicht leerer Zwischenklassen einzuführen natürlich zu einem viel zu komplexen Entwicklungskonzept, welches neuen Projektmitarbeitern überhaupt nicht mehr vermittelbar ist. Wie immer liegt wohl auch hier die Wahrheit in der Mitte.
Wirklich rund wurde die Entwicklung aber erst mit dem großen Sprung des Funktionsumfangs bei der stabilen und leistungsfähigen Version Visual FoxPro 6.0, die wohl die am häufigsten eingesetzte Version von Visual FoxPro ist. Aufgrund der Abwärtskompatibilität war jedes weitere Update beginnend mit Visual FoxPro 3.0 eher unproblematisch, so dass man jederzeit auf die Folgeversion umsteigen konnte, auch wenn die Version 7.0 in der deutschen Variante wohl einige unerfreuliche Speicherlecks enthielt.

Noch mehr Vorteile mit Visual FoxPro 8.0

Die aktuelle Version Visual FoxPro 8.0 ist eine wesentliche Erweiterung der Vorgängerversion mit einem ebensolchen Sprung in der Entwicklung wie bei der beliebten Version 6.0. Das wird besonders deutlich in der entsprechenden vergleichenden Darstellung von Christian Desbourse mit einer quantitativen Gegenüberstellung aller bisherigen Versionen von Visual FoxPro - erschienen in der Ausgabe 12.0 der Loseblattsammlung FoxX Professional aber auch online im dFPUG-Portal sowie auf seiner Homepage verfügbar. Leider ist dieser große Schritt in der Entwicklung noch nicht bekannt genug und wird von vielen FoxPro-Entwicklern noch nicht wirklich gesehen geschweige denn von dem daraus resultierenden Nutzen für die praktische Arbeit.

Die wichtigsten Features der Version Visual FoxPro 8.0 sind:

- Neue Werkzeuge wie Taskpane, Toolbox und Code Referenz-Suche
- Verbesserungen bei Werkzeugen wie Berichtsgenerator, Menüdesigner, View-Designer und weiteren
- Neue Builder wie Dataenvironment-Builder und XML-Webservice-Builder
- Datenbankerweiterung um Auto-Increment-Felder, Ausdrücke und SQL-Funktionalität
- Völlig neue flexible Fehlerbehandlung mit dem TRY-CATCH-Konstrukt
- Umfangreiches Eventbinding innerhalb und außerhalb der eigenen Anwendung
- Endlich eigene visuelle Subklassen für Page, Column, Header, OptionButton, Commandbutton
- Neue Klassen wie Collection, XML-Adapter, CursorAdapter oder auch nur Empty.
- Unterstützung von Hyperlinks, verzögertes Databinding usw. in Objekten
- Weitere Verbesserungen im Bereich COM-Server, Intellisense - eigentlich fast überall


Zu recht wird es als das umfangreichste Update seit Visual FoxPro 6.0 bezeichnet. Viel zu lernen gibt es also für die Anwender, insbesondere für diejenigen unter uns, die sich ein oder mehrere Updates zwischendrin gespart haben. Sprich die Mehrheit, die jetzt von Visual FoxPro 6.0 oder gar 5.0 direkt auf Visual FoxPro 8.0 umsteigen und dann die Erweiterungen von 2-3 Versionen auf einmal lernen dürfen. Mitleid ist dabei aber eigentlich nicht angebracht, denn jeder Söldner modernisiert seine Ausrüstung und schärft sein Messer - nur FoxPro-Entwickler lassen gerne mal 1-2 Updates und damit 3-5 Jahre Weiterentwicklung in einem Markt aus, wo 5 Jahre eine Generation darstellen.
Es ist natürlich richtig:
updaten kostet nicht nur die Updategebühren sondern auch eine Menge Zeit für die Einarbeitung - und warum sollte man eine bestehende Anwendung updaten, wenn der direkte Nutzen für den zahlenden Anwender nicht erkennbar ist.
Aber es ist auch richtig:
Lieber schrittweise mitlernen als jahrelang nicht updaten und dann einen riesengroßen Schritt bewältigen müssen, für den man im Arbeitsalltag dann oft doch keine Zeit hat und daran dann scheitert.

Aber fast genauso wichtig an der neuen Version wie die Vielzahl der praxisnahen technischen Erweiterungen sind auch die Ankündigungen von Microsoft in diesem Zusammenhang, zum Beispiel:

- Wartungszusage von Microsoft für Visual FoxPro 8.0 bis 2010 und damit länger als für jedes andere Produkt - mit vermuteter Verlängerung im Folgejahr für die nächste Version Visual FoxPro 9.0
- Verfügbarkeit eines Service Pack 1 für Visual FoxPro 8.0 - der Standardgrund in Deutschland "Ich warte erst auf das erste Service Pack da eine .0-Version von Microsoft sowieso nix taugt" ist damit ausgehebelt
- Verfügbarkeit eines aktualisierten OLE-DB-Providers für Visual FoxPro 8.0

Ein Wermutstropfen ist natürlich die generelle Einstellung der Lokalisierung von Benutzeroberfläche und Hilfe für Deutsch und Spanisch (alle anderen Sprachunterstützungen wurden schon mit der Version 6.0 bzw. spätestens mit der Version 7.0 eingestellt, was hierzulande aber sowieso keiner gemerkt hat). Deshalb helfen folgende Informationen weiter:

- Kostenlose Verfügbarkeit einer deutschen Benutzeroberfläche im dFPUG-Dokumenten-Portal
- Verfügbarkeit eines deutschen Updatebuchs zu VFP 8.0 über den dFPUG-Bestellservice
- Ankündigung einer deutschen Dokumentation / Hilfedatei seitens der dFPUG


In Kombination der deutschen Benutzeroberfläche mit der Hilfedatei von Visual FoxPro 7.0 (wenn man diese denn besitzt) und dem Updatebuch zur Version 8.0 liegt eigentlich alles (bis auf die Assistenten) in Deutsch vor, so dass der seitens Microsoft natürlich Kosten sparende Verzicht auf die Lokalisierung sich nur wenig auf den Arbeitsalltag auswirken sollte und mit der Verfügbarkeit der deutschen Dokumentation entfällt dieser Punkt dann sowieso.
Die nächste Version

Für die nächste Version Visual FoxPro 9.0 wurde für das zweite Halbjahr 2004 schon eine erste Liste von neuen Funktionen bekanntgegeben, unter anderem:

- Erweiterbarer Berichtsdesigner mit Ereignissen und Rechten
- Erweiterungsmöglichkeit von Berichten zur Laufzeit
- Aufhebung von Limitierungen in allen Bereichen incl. SQL
- Wesentliche Erweiterung der SQL-Syntax
- Neue Datentypen und Datenbankfunktionen
- Docking und Resizing für eigene Formulare
- Diverse Grafikfunktionen und optische Verbesserungen
- Erweitertes Eigenschaftsfenster mit Builder-Integration

- Hintergrundkompilierung mit Syntaxcoloring bei Fehlern


Schwerpunkt der nächsten Version von Visual FoxPro werden neben dem wichtigen Thema Berichtsgenerator die Aufhebung von Beschränkungen in jedweder Hinsicht und die Erhöhung der Entwicklerproduktivität sein. Das verbessert den Wert des Produktes für Entwickler deutlich, ohne in irgendeiner Weise mit Frameworks zu interferieren.